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Eine 'Ehemalige' berichtet

Rückblick auf das erste Abitur am Gymnasium Garbsen 1973

(Autor gelöscht | 17.09.2011)

Agnes Doering, geb. Bartel

Unna, 17.09.2011 - Mit einem virtuellen Tusch wurde ich von Wolfgang Siebert empfangen, als ich mich als erste Teilnehmerin des stolzen ersten Abijahrgangs 1973 auf der Ehemaligen –Seite des JKG registrieren ließ.
Wie war ich dahin gekommen?

Neuerdings bin ich bei Facebook vertreten und gab dort auch meine alte Schule an. Nach kurzer Zeit wurde ich Freundin der Ehemaligen JKG und bin nun nach langer Zeit wieder vernetzt mit meinem alten Leben in Garbsen.

Nur drei Jahre, von 1970 –1973, wohnte ich dort.
Es war ein kleiner Kulturschock, als ich von Bremen nach Garbsen kam, wo wir im alten Dorfkern unser Haus bezogen. Hinten raus konnte man bis zum Deister sehen, vorn standen Hochhäuser. Zwischen den Welten, so fühlte ich mich nicht nur in unserem Haus, sondern erst recht in der neuen Stadt und der brandneuen Schule, ein Kontrast zu dem altehrwürdigen Backsteinbau des Bremer Gymnasiums.
Eine gesichtlose Vorstadt, so kam mir meine neue Heimat vor. Woran sollte ich mich orientieren, wenn doch alles auf den ersten Blick gleichförmig und austauschbar schien?

Mein neues Gymnasium wurde zum Anker. In Garbsen war die schulische Welt im Aufbruch. Hier stand direkt neben meinem neuen Gymnasium die erste IGS der Bundesrepublik.
Ich kam in die 11. Klasse, die nicht von unten gewachsen war, sondern zu meinem Glück in dieser Zusammensetzung erst ein paar Wochen bestand, als ich als Neue dazu kam. Es waren Garbsener Schülerinnen und Schüler, die bisher Hannoversche Gymnasien besucht hatten und nun zur ersten Oberstufenklasse zusammen gefunden hatten. Fast ausnahmslos blieben wir in dieser Besetzung bis zum Abitur zusammen, 19 Leute, die sich nur in einigen Fächern aufteilten. Es war noch vor der Oberstufenreform, sodass wir noch eine richtige Klasse waren.
Unser Klassenlehrer war der allseits geschätzte Helmut Kleinegees, der mein Lieblingsfach Deutsch unterrichtete.

Im Gegensatz zu heute gab es keine normierte Leistungsschau, sondern wir lernten denken. In Deutsch analysierten wir Texte und diskutierten, nicht streng Kanon, sondern sehr frei und sehr anspruchsvoll. Es war für mich der beste Unterricht, den ich je hatte.
Die Artikel aus der Leinezeitung, die das erste Abitur am Gymnasium Garbsen dokumentierten, betonten den zwanglosen Rahmen, in dem die Abiturfeier gestaltet wurde.
Es waren die Siebziger, und alles, was nach bürgerlichem Muff roch, war verpönt. Ich erinnere mich noch an die Diskussionen, ob man überhaupt einen festlichen Rahmen brauchte. Wäre es nicht besser, einfach das Zeugnis im Büro abzuholen?
Das wäre auch Krampf gewesen und armselig. So bin ich noch heute froh, an die gelungene Feier zurückdenken zu können.
Wenn ich an die steifen Veranstaltungen und die Graf-Koks- Abibälle meiner Kinder denke, wo man sich im Ballkleid und Anzug langweilte, an die heutigen Turbo-Abiturienten, die immer mehr Stoff in immer weniger Zeit bewältigen sollen, deren Terminkalender randvoll ist und für die Auslandsaufenthalte als Eintrittskarten in die konkurrenzbetonte Berufswelt gelten, denke ich gern an meine Schulzeit in Garbsen zurück.
Wir hatten immer genug Freizeit und hingen viel rum, wir waren nicht zum Austauschjahr in Amerika oder glänzten mit Hobbies aller Art, die mal zum Lebenslauf passen sollten. Garbsen war keine heile Welt. Es gab Einsamkeit, Frust, auch nicht einmal einen besonders guten Klassenzusammenhalt.
Aber das „riesengroßen Danke“, das eine Schülerin unseren Lehrern in der Abirede aussprach, war ernst gemeint und wog mehr als jede durchgestylte Show. Es kam von Herzen.



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