Aktuelles

Wechsel an der Spitze des JKG

Verabschiedung des stellvertretenden Schulleiters, Klaus Hickmann

(Wolfgang Siebert | 28.01.2012)

Schultheater 2004: Dorfältester (Arwena Swiatek), Bariona (Klaus Hickmann) und Balthasar (Gunther Kunze)

Garbsen, 28.01.2012 - Die Tanzgruppe des Schulzentrums eröffnete am vergangenen Freitag nach der Zeugnisausgabe die Feier für Herrn Hickmann mit einer fröhlichen, flotten Darbietung.

Wenn eine Lehrerin oder ein Lehrer neu zum Kollegium einer Schule wie das Johannes-Kepler-Gymnasium stößt, oder dieses verlässt, sind die Auswirkungen, die das hat, meist gering und werden auch von den Schülerinnen und Schülern wohl eher wie ein einfacher 'Lehrerwechsel' empfunden.

Mit „Herrn Hickmann“ ist das etwas anders. Er war stets der lebende Beweis dafür, dass Schule nicht nur Lehren und Lernen im Rahmen regulierender Vorschriften ist, sondern immer auch ein wenig pädagogisches Wagnis, ein Unterwegssein, das Schüler, aber auch Lehrer und Eltern, mitzureißen vermochte.

Mir persönlich wurde diese Haltung immer dann am deutlichsten,  wenn sich unser stellvertretender Schulleiter selbst aufs Spiel (aufs Theaterspiel) gesetzt hat. - Besonders ist mir in diesem Zusammenhang  die Aufführung von Bariona im Jahre 2004 in Erinnerung, die wegen ausfallender Schüler zu scheitern drohte. Er selbst sprang in die Bresche und spielte mit. - Wo Schule diese Haltung des entschlossenen Zupackens, durchaus begleitet von Humor und feiner Selbstironie, zu vermitteln weiß, bereitet sie auf das Leben als Ganzes vor, nicht nur auf den Beruf...


Ingrid Stoll mit einigen Schülerinnen und Schülern aus dem Orchester

Ähnliche Charakterisierungen zogen sich dann auch wie ein roter Faden durch die vielen Reden, Grußworte und Glückwünsche, die Klaus Hickmann am vergangenen Freitag gewidmet waren.


Schulleiter Dieter Schwandt skizzierte kurz den schulischen Werdegang seines Stellvertreters, den er selbst mehrfach gekreuzt habe: In jungen Jahren machte Klaus Hickmann das Abitur an der Leibniz-Schule Hannover, 1977 begann er als Lehrer an der IGS Garbsen, um 1984 zur Ricarda- Huch-Schule in Hannover zu wechseln und schließlich 1997 die Stelle als Vizeschulleiter am JKG auszufüllen. Von Oktober 2005 bis März 2008 leitete Klaus Hickmann das Johannes-Kepler-Gymnasium kommissarisch.


Der Schulleiter dankte seinem Stellvertreter für die in manchen Dingen zwar durchaus kritische aber stets entschieden loyale Haltung und für die vielen Hinweise und Tipps, die seinen eigenen Einstieg in diese Schule sehr erleichtert hätten.


Mit dem Kepler-Zitat: „Mir kommen die Wege, auf denen die Menschen zur Erkenntnis der himmlischen Dinge gelangen, fast ebenso bewunderungswürdig vor, wie die Natur der Dinge selber“, leitete der Garbsener Schuldezernent Wolfgang Stahl seine Grußbotschaft ein. Ein Schulleiter brauche manchmal den Mut auch ungewöhnliche Wege zu gehen: „Sie hatten den Mut!“
Herr Stahl dankte Klaus Hickmann für die konstruktive Zusammenarbeit insbesondere in dessen Zeit als Schulleiter und wünschte viel Erfolg beim Engagement für die Tansania-AG.



Silke Seidel, Fachobfrau für Englisch, hielt eine spritzige, liebevoll-launische Rede an ihren engagierten Kollegen und erinnerte an viele gemeinsame Unternehmungen, zum Beispiel eine Austauschfahrt mit Schülerinnen und Schülern nach Hastings in Südengland.


Eine Reihe von Schülerinnen und Schülern aus den verschiedensten Jahrgangsstufen, Kursen und Arbeitsgemeinschaften, nämlich Lukas Wolff Kristina Käfer, Charlotte Nostiz, Christian Noll und Michelle Orthmann, bedankte sich mit ganz persönlichen Worten bei Klaus Hickmann.


Besonders Lukas Wolff , einem ehemaligen Abiturienten des  Englischlehrers, ist es ein deutliches Bedürfnis seinen aufrichtigen Dank zum Ausdruck zu bringen: Sie haben nicht nur Wissen vermittelt, sondern waren auch um unsere Einstellung zu unserem Leben bemüht!



Jutta Tappe, Personalratsvorsitzende und Fachobfrau für Politik, dem zweiten Unterrichtsfach Hickmanns, brachte es auf den Punkt: „Sei dir selbst treu!“, danach haben Sie immer gelebt.



Auch Thomas Kaulig, u.a. Vorsitzender des Elternrats, dankte Hickmann herzlich und machte sich Sorgen um den Förderverein: Wer wird denn jetzt so effektiv neue Mitglieder werben, wie Sie mit Ihren Auftritten?



Markus Böhm, Leiter der Caroline-Herschel-Realschule, formulierte die guten Wünsche des Schulzentrums in einem längeren selbst gefertigten Gedicht. Sinngemäß – man verzeihe meinen Dilettantismus – schließlich:

Herr Hickmann holt die Platten raus
und tanzt zum Grammophon
er war ein ganz famoses Haus,
alles Gute zur Pension!



Eine Sammlung unter allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Schulzentrums und Eltern für die Tansania-AG hatte 820 € eingebracht, die Klaus Hickmann für die Partnerschule verwenden wird. Es soll ein Schlafhaus gebaut werden, damit dort die Schülerinnen und Schüler nicht täglich ihre unglaublich langen Schulwege zurücklegen müssen.



Ursula und Manfred Klüppel für den scheidenden Klaus Hickmann


 

In seiner abschließenden Rede ist der stellvertretende Schulleiter engagiert wie man ihn kennt: 


Richtig, das Fach Englisch nähre seine Leidenschaft, das Theater sei so etwas wie eine notwendige Folge daraus, denn man könne Shakespeare nicht unterrichten ohne ihn spielen zu lassen. Die Stücke fordern dazu heraus, sie lassen sich den Bedürfnissen einer Lerngruppe anpassen...

Aber mit so einem Unterricht, dessen Schwerpunkte der Lehrer selbst setzen kann, sei es nun vorbei seit der Einführung des Zentralabiturs. Weicht man vom Curriculum ab, werde man von den Schülern schnell auf den Pfad der vermeintlichen Tugend zurück gepfiffen: „Was hat das mit unserem Abitur zu tun?“... Die Folge sei Eintönigkeit statt Vielfalt. 


Das Schlimmste aber: Bildung, die sich an einem festen Wissenskanon orientiert, lässt anderes unter den Tisch fallen. Was wird aus einer Gesellschaft ('arm an Rohstoffen' wie wir alle wissen), die ihre Zukunft auf so einer Monokultur gründet, in der Pluralität nicht mehr auf Vielfalt der Bildung, sondern allenfalls noch auf Konsuminteressen basiert.
Der Wahn eine doch nur scheinbare Vergleichbarkeit zu schaffen und alles an immer mehr Vorschriften zu ketten, dabei die fortschreitende ökonomische Orientierung der Inhalte, lasse verdorren, was Spaß machen kann an Schule. 


In dieser Hinsicht sei er froh, daran nicht mehr teilhaben zu müssen, so Klaus Hickmann - der dann fast übergangslos zum Buffet rief.

(Die beiden letzten Bilder stammen von Catrin Wildau - Vielen Dank!)


Im LeineBlick dokumentierte Theateraufführungen am JKG, an denen Klaus Hickmann mitwirkte:

Bariona (2004)

Who's Afraid of Virginia Woolf? (2007)

The Accused (2011)


Welsh-Corner:


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