Aktuelles

Jenseits der Fernbedienung

Das Seminarfach „Medien“ erkundet den Medienstandort Hannover

(Sebastian Schöner | 13.09.2016)

Aufzeichnung im Fernsehstudio bei H1

Garbsen, 13.09.2016 - Das Seminarfach hatte sich viel vorgenommen für die diesjährige Aktionswoche am Johannes-Kepler-Gymnasium. Möglichst unterschiedliche Medienformen wollten besichtigt werden, sprich Print, Internet und Fernsehen standen auf unserer To-Do-Liste. Und am Ende der Woche gab es tatsächlich nichts, was der Kurs nicht gesehen hatte.


...und Action!

Den Anfang machte am Dienstag der Fernsehsender H1. Ein kleiner aber feiner Bürgerkanal, bei dem das Programm noch mit der Hand gemacht wird. Freundlich wurde unsere kleine Reisegruppe von Corinna, der Medienpädagogin und Spezialistin für Öffentlichkeitsarbeit des Senders, begrüßt. In einem kurzem und informativem Gespräch erfuhren wir, dass der Sender nicht nur für das Fernsehprogramm selbst verantwortlich ist, sondern auch eine Informationspflicht hat, nach der den Bürgern gezeigt werden soll, wie Fernsehen funktioniert. Das hat uns natürlich besonders gut gefallen, denn eine eigene Sendung zu produzieren, in einem echten Fernsehstudio, das hat schon seinen Reiz.


Kamerafrau bei der Arbeit

Also stellten wir schnell ein Technikteam zusammen: Max sorgte für den Bildschnitt, Finn kümmerte sich um die Tontechnik. Als Kamerafrauen waren Paula und Selin mit dabei. Vor der Kamera präsentierten sich Starmoderator Dorian und sein Überraschungsgast Lukas. Produziert wurde eine lockere Talkshow, bei der von Frühstücksritualen bis hin zur Schwimmbadschließung in Garbsen so ziemlich alles thematisiert wurde. Während der Produktion kamen alle ganz schön ins Schwitzen und wir stellten fest, dass es doch einiger Übung bedarf, um so eine kurze Sendung in den Kasten zu bekommen.


Bei der Tontechnik braucht man ein gutes Gehör

Direkt im Anschluss wurden wir und noch Zeuge, wie echte Profis eine Sendung produzieren. Ein Schlüsselwort dabei ist „Multitasking“. Jeder macht mehrere Sachen gleichzeitig und trotzdem kommt am Schluss ein tolles Ergebnis dabei heraus. Beeindruckt verließen wir das H1 Studio und verabschiedeten uns wieder von Corinna.
Zwei Tage später, am Mittwoch waren wir ausnahmsweise nicht auf Medienerkundungstour, sondern im Kletterpark „Pirate Rock“, durften wir die heiligen Hallen des Madsack Medienhauses betreten.
Gleich zu Beginn unserer Führung machten wir eine kurze Reise in die Vergangenheit, denn es wurde uns eine Druckmaschine vorgestellt, welche ihre Lettern noch nach Eingabe des Textes direkt in Bleilettern gegossen hat. Heute völlig veraltet, zu ihrer Zeit eine Innovation. Es folgte ein Gang ins Schwimmbad. Denn der jetzige Konferenzraum des Madsack Verlages war ursprünglich als Swimmingpool für die Angestellten geplant. Man kann die eigentliche Bestimmung des Raumes noch erahnen, inzwischen ist dort aber modernste Technik installiert, um Multimedia-Präsentationen zeigen zu können. Leider zog sich die für uns gedachte Präsentation etwas in die Länge und wurde von vielen von uns als Werbeveranstaltung für Madsack Produkte empfunden. Bei kritischen Rückfragen wich die Referentin auch eher aus und verwies auf die hauseigene Homepage als Informationsquelle. Schade.


Hier schießen sonst Zeitungen mit 40 km/h durch

Nachdem wir diesen Teil überstanden hatten, wurde es aber wieder spannender. Wir brachen auf, um uns die Druckerei im Keller des Gebäudes anzuschauen. Auch hier hatten wir etwas Pech, denn wir waren zu früh, um die Druckmaschinen in Aktion zu sehen. Trotzdem war die schiere Größe der Anlagen und die Menge an Papier, welche für eine Woche Zeitungsproduktion benötigt wird, schon beeindruckend. Andächtig berührten einige von uns die tonnenschweren Papierrollen, auf welche später HAZ und NP gedruckt werden sollten. Wer allerdings diese Anlagen noch betriebsbereit sehen möchte, sollte sich beeilen, denn der Verlag lagert seine Druckerei aus und lässt ab Ende des Jahres in einer betriebsfremden Druckerei seine Zeitungen drucken.


Der Papiervorrat für eine Woche

Am Freitag stand ein exklusives Highlight auf dem Programm. Wir bekamen einen Rundgang durch das Verlagsgebäude der Heise Medien Gruppe. Als „Reiseleiter“ stellte uns der Verlag einen stellvertretenden Chefredakteur und einen Ressortleiter der Zeitschrift „ct – magazin für computertechnik“ zur Seite – richtige Journalisten mit viel Fachwissen zum Thema Medien und Medienwandel.
Nach einer freundlichen Begrüßung im Foyer gingen wir in den kleinen Park auf der Rückseite des Gebäudes. Während wir im Schatten einer großen Birke auf Bierbänken und Liegestühlen Platz nahmen, erzählten uns Achim und Jan-Keno (in der Medienbranche duzt man sich anscheinend immer), was das ct-Magazin überhaupt ist und mit welchen Unwegsamkeiten ein klassisches Printprodukt in Zeiten des Medienwandels zu kämpfen hat. Uns wurde dies besonders bewusst, als auf Nachfrage niemand von uns sagen konnte, dass er oder sie in den letzten vier Wochen ein gedrucktes Magazin in der Hand gehabt hätte. Genau das ist das Problem der Printmedien, die jüngere Generation informiert sich fast ausschließlich digital. Und mit dieser Medienform lässt sich noch nicht so gut Geld verdienen, sagte uns Jan-Keno ganz offen. Trotzdem steht der Heise Verlag ganz gut da, denn gerade die ct hat eine hohe Anzahl an Abonnenten und die Heise Medien Gruppe schafft es, immer neue Ideen in der Medienlandschaft zu platzieren, mit denen dann eben auch Geld verdient werden kann. Denn das braucht so ein Verlag auch, wie wir in der darauffolgenden Führung durch die Redaktionsräume unschwer erkennen konnten.
Anders als bei Bloggern oder „You-Tubern“ sitzt an so einem Magazin nämlich eine ganze Menge Leute und arbeitet, bis das Magazin in Druck gehen kann. Wir durften sogar in das Büro von Jan-Keno gucken und haben so gelernt, dass man nicht unbedingt ein Ordnungsfanatiker sein muss, um Ressortleiter einer Fachzeitung für Computertechnik sein zu können.


Achim zeigt uns das Fernsehstudio

Nach diesem sehr privaten Einblick ging es weiter in das Fernsehstudio des Verlages. Dort werden eigene Internetshows produziert. Wir hatten noch das Studio des Bürgersenders H1 im Hinterkopf und waren doch überrascht, hier im Heise Verlag ein deutlich moderneres Studio vorzufinden. Außerdem konnte das gesamte Studio abgebaut werden, um zum Beispiel live von Messen zu senden. Ein nicht geringer Arbeitsaufwand, wie uns der technische Leiter des Studios bestätigte. Damit nicht genug, wir bekamen nämlich noch viel mehr gezeigt.
Weiter ging es ins Fotostudio, indem gerade Fotoaufnahmen für das neue Heft gemacht wurden (irgendein Minicomputer stand vor der Kamera). Alles war hell ausgeleuchtet und überall standen Requisiten herum. Schnell wieder raus, denn hier wurde gearbeitet.


Im Fotostudio stehen wir den Fotografen im Weg

Gleich hinter der nächsten Tür befand sich das Testlabor für Bildschirmtechnik. Hier gucken die Redakteure Fernsehen an den neuesten 3D-Curved-TVs und bekommen dafür auch noch Geld. Nebenbei testen sie natürlich auch noch die Helligkeit, den Blickwinkel, die Farbtiefe und so weiter. Hierfür steht modernste Technik bereit, welche die Monitore abfilmt und so die Bildwerte messen und vergleichen kann. Stolz präsentierten uns Achim und Jan-Keno einen selbstgebauten Flipper. Anstatt des analogen Flippers befand sich allerdings ein Flachbildfernseher in dem Flippergehäuse, welcher von einem PC angesteuert das Flipperspiel simulierte. Dieses Spielzeug für Nerds hatten die Redakteure, samt Bauanleitung, in einem der letzte Hefte vorgestellt.


In diesem Labor testen die Profis

Zuletzt wurden wir noch in kleine Gruppen aufgeteilt und in einen seltsamen Raum mit Schaumstoffkegeln an den Wänden geführt. Jedes Geräusch wurde dort geschluckt und es herrschte absolute Stille, da auch von außen keine Geräusche in den Raum dringen konnten. Fast hatte man das Gefühl einen gewissen Druck auf den Ohren zu spüren, so ungewohnt war dieses Hörerlebnis. In diesem abgeschirmten Raum werden in absoluter Stille die Geräuschpegel von technischen Geräten, wie zum Beispiel Notebook-Lüftern, getestet.
Danach ging es wieder zurück ins Foyer und wir verabschiedeten uns von Achim und Jan-Keno und bedankten uns für diesen spannenden Einblick in den Arbeitsalltag einer Redaktion.


Ein Gruppenbild zum Abschied

Am Ende der Woche hatten wir gesehen, dass es viele verschieden Bereiche gibt, in denen Menschen im Zusammenhang mit Medien arbeiten. Genauso hatten wir einen detaillierten Einblick in die Herstellung der unterschiedlichsten Medien bekommen. Es reicht eben nicht, einfach auf den Knopf der Fernbedingung für den Fernseher zu drücken. Jenseits der Fernbedienung spielt sich eine ganze Menge mehr ab.