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Orte des Schreckens - Bewegende Studienfahrt nach Auschwitz

(Jan-Phillip Leder | 04.05.2017)

Berühmtes Eingangstor zum Stammlager Auschwitz I

Garbsen, 04.05.2017 -

Vom 06.-10.04.2017 unternahm die AG „Gegen das Vergessen“ ihre Studienreise nach Krakau und Oswiecim (Auschwitz) in Polen, um sich mit der jüdischen Geschichte während des Nationalsozialismus auseinanderzusetzen. Dabei sammelten Schüler und Lehrer zahlreiche bewegende Eindrücke. Im Folgenden schildern einige Teilnehmer ihre Eindrücke.

Von Helen Berger, Marcel Rutter und Mozamil Ahmadzaei

Im Rahmen der AG „Gegen das Vergessen“ besuchten wir die Stadt Krakau in Polen, um uns dort mehr mit der jüdischen Stadtgeschichte zu beschäftigen. Außerdem besichtigten wir die zwei ehemaligen Vernichtungslager Auschwitz und Auschwitz-Birkenau im heutigen Oswiecim.

Freitag, 07.04.2017

So wie viele Städte hat Krakau, eine Stadt im Süden von Polen, ein Vergangenheit mit vielen Seiten. Grausame und schöne, einzigartige und unglaubliche Geschichten und Legenden prägen das Stadtbild Krakaus. Im Zuge des Zweiten Weltkrieges wurde von den deutschen Besatzern ein jüdisches Ghetto südlich der Weichsel im Stadtteil Podgórze eingerichtet. Neben viel Leid und Tod, an welches ein Denkmal, bestehend aus 64 Stühlen, erinnert, gab es auch einige Lichtblicke für die jüdischen Bewohner.

Gegenüber dem Appell- und Selektionsplatz, der heute den Namen „Platz der Ghettohelden“ trägt, befindet sich noch heute die Apotheke „Pod Ortem“ (d.h. „Unter dem Adel“). Zur Zeit des Ghettos war diese Apotheke sehr besonders, da Tadeusz Pankiewicz kein Jude sondern ein Pole war, der freiwillig seine Apotheke innerhalb der Mauern und Zäune des Ghettos betrieb. Er pflegte, entgegen aller Regeln, Freundschaften mit Juden, versteckte sie in Not und verhalf manchen zur Flucht.

Eine andere wichtige Person des Ghettos war Oscar Schindler. Er war ein Deutscher, der in der Rüstungsindustrie arbeitete und der im 2. Weltkrieg um die 1200 Juden vor der Deportation nach Auschwitz rettete, indem er sie in seiner Fabrik arbeiten ließ. Seine Geschichte erzählt der Film „Schindlers Liste“. Viele Exponate aus der Zeit der deutschen Besatzung Polens sowie Schicksale von Ghettobewohnern werden heute in der ehemaligen Fabrik ausgestellt.


       Blick hindurch zwischen den Baracken in der Gedenkstätte Auschwitz I

Samstag, 08.04.2017

Nachdem wir vormittags die Innenstadt Krakaus mit dem berühmten Wawel-Schloss besichtigt hatten, fuhren wir weiter nach Oswiecim.

Die dortige Besichtigung des Hauptlagers Auschwitz I war für uns ebenso äußerst interessant wie auch bedrückend, da man hier mit der schlimmen von den Nationalsozialisten verursachten Vergangenheit konfrontiert wurde. Besonders anrührend waren für alle Besucher neben den zahlreichen Dokumenten und Exponaten (z. B. persönliche Überbleibsel der dort getöteten Menschen, wie z. B. Schuhe, Kleidung, oder selbst Haare) auch die vielen Fotos der Opfer, vor allem die der abgemagerten Kinder, die ausgewählt wurden für die Menschenversuche des Dr. Mengele und zudem mit unendlicher Traurigkeit in die Kamera des Lagerfotografen blickten.


Orte des Schreckens: in Auschwitz-Birkenau waren zwischen 1940 und 1945     über 400.000 Menschen interniert. Insgesamt starben über 1 Millionen Menschen in Auschwitz und Auschwitz-Birkenau.

Des Weiteren hatten wir die Möglichkeit ein Krematorium von innen zu betrachten und uns somit die Gaskammern und Öfen genauer anzuschauen, in denen die zahlreichen Opfer vergast und verbrannt wurden. Es war einerseits ein erdrückendes Erlebnis, sich mit dem Leid der Menschen dort zu beschäftigen, jedoch war es auch sehr gut sich einmal vor Ort damit auseinandergesetzt zu haben, um sich ein klares Bild von dem machen zu können, was durch den Rassismus und die Unmenschlichkeit der nationalsozialistischen Ideologie ausgelöst wurde.


Blick von der Selektionsrampe zum Einfahrtstor von Auschwitz-Birkenau

Im Lager Birkenau, wo hauptsächlich die großen Vernichtungslager waren, sieht man die berühmte „Judenrampe“, auf der die Selektion der Deportierten stattfand. Hier wurde ausgewählt, wer noch den harten Arbeitsdienst verrichten konnte und wer direkt zu den Gaskammern geführt wurde. Außerdem bekamen wir Einblicke in das Leben eines Häftlings, da wir sowohl Wohnbaracken als auch Waschbaracken anschauen konnten. Im Stammlager Auschwitz nahmen wir anschließend noch an einem Workshop zum Thema „Sinti und Roma“ teil.

Alles in allem war dies eine erfolgreiche und zufriedenstellende Studienfahrt, die uns alle zum Nachdenken bewegte. Trotz des ernsten Themas hatten wir auch viele schöne und heitere Momente.